Wenn ein Christ nicht aufhören kann, lästernde Gedanken zu denken

    Unverzeihliche Sünde oder ein geistiger Angriff?

    Beweis für Dämonbesessenheit, oder einfach nur eine Versuchung?

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    * * *

    Von Grantley Morris


        Eine Mutter zweier Kinder erzählte mir:

          Bis vor einer Woche ging es mir gut! Ich war stark in Glauben und das Leben war schön, bis ich eines Tages vom Schlaf zu so einem schrecklichen Gedanken erwachte, dass ich in Schweiß ausbrach und mein Herz heftig pochte. Seitdem bin ich in extreme Besorgtheit geraten. Ich hatte einen Moment über die Schriftstelle nachgedacht, wo Jesus als Dämon bezeichnet wurde, und ich stellte mir das als wahr vor. Ich bin Christ und deshalb weiß ich, dass jener Gedanke eine reine Lüge ist; ich bin aber tief beschämt, dass ich von diesem Gedanken nicht loskommen kann. Umso mehr ich diesen Gedanken zu stoppen versuche, desto häufiger kehrt er zurück.

          Ich bin völlig verwirrt! Die Bibelstelle über die unverzeihliche Sünde macht mich so ängstlich, dass ich kaputt gehe. Der abscheuliche Gedanke ist immer wieder da und ich will, dass er weggeht. Ich bitte Jesus ständig um Verzeihung und sage ihm, dass ich kraftlos bin, von diesem falschen Bild von ihm frei zu werden. Diese Situation quält mich zutiefst! Bitte helfen Sie mir!

        Die obige Art der Versuchung ist so weit verbreitet, dass diese liebe Frau wirklich keinen Grund hat, sich zu schämen. Um jedoch nicht das Risiko einzugehen, sie ein wenig zu beunruhigen, verheimliche ich lieber alles, was ihre Identität verraten mag. Sie wird hier einfach „Kate“ genannt.

        Nur wenige von uns bekommen regelmäßigen Besuch von einem Dämon, der mit uns von Angesicht zu Angesicht redet, obwohl jeder von uns die Versuchung durch böse Geister erfahren hat. Da sie uns selten mit einer hörbaren Stimme ansprechen, wie können sie uns dann versuchen? Einfach dadurch, dass sie uns Gedanken in den Kopf legen: Gedanken, die unsere eigenen zu sein scheinen, aber von ihnen geschickt sind.

        Im Kopf befinden sich nicht nur unsere eigene Gedanken, sondern auch manchmal Gedanken direkt von Gott, und manchmal Gedanken direkt von Gottes spirituellen Feinden. Es ist nicht ungewöhnlich, dass wir die Gedanken, die Gott uns in den Sinn gibt, als unsere eigenen Gedanken wahrnehmen. Gleicherweise passiert es auch häufig, dass wir Gedanken als unsere eigenen betrachten, welche uns von spirituellen Mächten in den Sinn geschoben werden, die unseren Herrn und uns hassen.

        Kate war von diesen lästernden Gedanken so beunruhigt, da sie ihrer eigenen Meinung über Jesus stark entgegengesetzt sind. Für einen objektiven Betrachter ist es offensichtlich, dass Gedanken, die ihrem Sinn so sehr entgegengesetzt sind, überhaupt nicht ihre eigenen Gedanken sein können. Aber da diese Gedanken genau in ihren Kopf auftauchten, ist es schwer für sie zu glauben, dass sie nicht ursprünglich von ihr sind. In der Tat hat sie ein abscheuliches Eindringen des Bösen in ihre privatsten Sphären, nämlich ihre tiefsten Gedanken, erlebt. Das ist ein so schrecklicher Angriff ihrer Person, dass ich so etwas als spirituelle Vergewaltigung benenne. Jeder Christ - sogar Jesus, der in allem in gleicher Weise wie wir versucht worden ist während seines Lebens auf Erden - ist davon betroffen.

        „Wo ist der biblische Beweis dafür?“ könnten Sie fragen.

          Matthäus 4:5 Darauf nimmt der Teufel ihn mit in die heilige Stadt und stellt ihn auf die Zinne des Tempels

        Wer, dieser Bibelstelle entsprechend, stellte den heiligen Sohn Gottes auf die Zinne des Tempels? Weder Gott noch Jesus selber.

          Matthäus 4:8 Wiederum nimmt der Teufel ihn mit auf einen sehr hohen Berg und zeigt ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit

        Jeder weiß, dass es keinen Berg auf der Welt gibt, von wo aus man „alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit“ mit den normalen Augen betrachten kann. Dem Teufel gelang es irgendwie, Jesus nicht nur an den Ort zu bringen, wo er ihn haben wollte, sondern er gab Jesus auch eine Vision in den Kopf. Wenn der Teufel dem sündlosen Sohn Gottes einen Gedanken in den Kopf hineinstoßen konnte, können wir nicht weniger erwarten. Kein Christ will so etwas Schreckliches erleben; solche Erlebnisse sind jedoch nicht nur normal, sondern unvermeidlich. Trotzdem können wir, genau wie Jesus, diesen widerlichen Belästigungen widerstehen, und rein bleiben.

        Im Gegensatz zu Gott kann der Teufel nur an einem einzigen Ort zur gleichen Zeit sein. Daher werden wir viel eher von einem seinen Untertanen angegriffen, anstatt von ihm selbst. Das macht allerdings wenig Unterschied, weshalb die meisten Christen (auch ich) auf ihn hinweisen, wenn der Angriff eigentlich von einem seinen Untertanen stammt.

        ~ ~

        Bis zum Abend von Kates beunruhigendem Erlebnis lief ihr Leben gut. Dem Feind unserer Seelen gefällt das selbsverständlich nicht. Er will uns zu Fall bringen. Da er mit seinem Versuch, Kate zu echter Sünde zu verführen, scheiterte, probierte der alte Betrüger es aus, Kate zu täuschen, damit sie die Verantwortung für die ekelhaften Gedanken des Teufels auf sich selbst nimmt.

        Der Überfall begann, als Kate am anfälligsten war: als sie schlief. Die meisten spirituellen Angriffe kommen zu Zeiten, an denen wir sie weder erwarten noch verdienen. Nicht umsonst wird unser Gegner „der Böse“ genannt, da er boshaft handelt.

        Kate wusste, dass die Lügen, welche in ihren Kopf eingedrungen waren, nicht wahr waren. Dieses Wissen ist alles, was sie braucht, um ihre spirituelle Unschuld zu bewahren. Ungeachtet der Gedanken, welche ihr in den Sinn kommen, ist sie trotzdem in keiner spirituellen Gefahr, weil sie die Wahrheit über Jesus glaubt.

        Dennoch beschrieb Kate ihre Reaktion auf die destruktive Verfolgung durch Gedanken, mit denen sie nichts zu tun haben wollten, als „tief beschämt“. Wenn man aber die Situation nüchtern betrachtet, ist kein Wunder, dass sie jene hässlichen Gedanken nicht aus dem Kopf bekommen konnte. Hätte sie beim erwachen eine Giftschlange auf ihrem Bett entdeckt, könnte es sein, dass sie unverletzt, aber trotzdem erschrocken davon gekommen wäre; genauso wie der Gedanke, der in ihrem Kopf war als sie erwachte, sie erschrocken hat.

        Wäre Kate einer Schlange auf ihrem Bett entkommen, wäre sie in keiner weiteren Gefahr gewesen: die ganze Erfahrung hätte vielleicht nur ein paar Sekunden gedauert. Trotzdem wäre sie so sehr davon erschrocken, dass sie das Ereignis bis zu ihrem Todestag nie vergessen würde. In den ersten Wochen danach, wäre die Erinnerung daran fast immer in ihrem Sinn. Die klaren, wiederkehrenden Erinnerungen wären zwar unerwünscht, aber eine ganz normale Reaktion auf ein erschütterndes Erlebnis.

        Gleicherweise erlebte Kate eine normale Reaktion auf ein von Gedanken verursachtes Trauma, die sie schockierte und anwiderte, weil sie ihrer Herzenseinstellung Jesus gegenüber so extrem widersprachen.

        Kate konnte die Gedanken nicht aus dem Kopf entfernen: „Je mehr ich es versuche, desto öfter kehren sie zurück“, klagte sie. Viele Menschen schreiben mir mit ähnlichen Geschichten. Ich habe bemerkt, dass sie im Allgemeinen sehr empfindliche Menschen sind, die aufgrund eines solchen Gedankens zutiefst geschockt und beunruhigt werden; und ihre Reaktion darauf scheint die Situation noch weiter aufzuheizen. Das ist nur zu erwarten.

        Versuchen Sie mal, sich selbst zu sagen: „Ich darf unter keinen Umständen an blaue Giraffen denken.“ Es ist unvermeidlich, dass Sie an diese denken werden. Umso mehr ich den Einsatz erhöhe - zum Beispiel durch das Drohen, Sie zu schlagen, wenn Sie an blauen Giraffen denken - desto mehr werden Sie von Gedanken an blauen Giraffen belästigt. Die eigene Bersorgtheit und der dringende Versuch, nicht daran zu denken, verstärken das Problem.

        Es ist ähnlich wie das Gehen auf einem Balken hoch über dem Boden. Je mehr Angst Sie vorm Stürzen haben, desto nervöser werden Sie, und desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie tatsächlich stürzen werden. Gleicherweise, umso ängstlicher Sie werden, dass Ihnen lästernde Gedanken in den Sinn kommen, desto wahrscheinlicher wird es auch geschehen. Das hat keinen spirituellen Grund, sondern ist rein psychologisch. Auf der anderen Seite, umso weniger Sie sich mit den Gedanken beschäftigen, und je mehr Sie sie ignorieren und anderen Dingen die Aufmerksamkeit schenken, desto mehr werden die Gedanken aus dem Kopf verschwinden.

        Es ist erstaunlich, ein wie hoher Anteil derer, die mir emailen mit der Sorge, die unverzeihliche Sünde begangen zu haben, an Zwangsstörung oder anderen psychologischen Problemen leiden. Das zeigt, dass in den meisten Fällen unkontrollierbare, lästernde Gedanken weder eine theologische noch eine spirituelle Sache sind, sondern das Ergebnis eines unangenehmen, psychologischen Zustandes. Je mehr man darauf bedacht ist, Gott zu gefallen, desto verheerender die Plage.

        Die Furcht, das Gott uns nicht verzeihen wird, gleicht der Furcht vor einer harmlosen Spinne. Diese Furcht ist zwar stark, aber grundlos. Jemandem, der an einer Spinnenphobie leidet, braucht nicht darüber referiert zu werden, dass es ihm an Gottvertrauen mangelt und er sich deshalb im Glauben minderwertig fühlt. Es geht einfach um eine unangenehme, irrationale Furcht, für welche es keine Schande ist, psychologische Hilfe zu suchen. Viele Christen, welche von der irrationalen Furcht belästigt werden, unverzeihlich zu sein, leiden an psychologischen Problemen, welche vielleicht durch Medikamente behandelt werden können. Eine Behandlung mit Medikamenten kann niemanden erlösen: das kann nur Jesus. Sie verfügt aber über das Potenzial, manchen Christen eine unnötige Qual zu ersparen. Ob eine Phobie vor harmlosen Geschöpfen, oder die Furcht, dass Gott plötzlich unversöhnlich geworden ist, wenn eine medikamentöse Behandlung die Angst mildern und helfen kann, sich vernünftiger zu verhalten, kann ich sie nur empfehlen. Medikamente sind lange nicht perfekt, sie können auch Nebenwirkungen haben und führen nicht immer zum selben Erfolg. Aber wenn sie einem helfen, vernünftiger über spiritueller Dinge nachzudenken und an der biblischen Wahrheit festzuhalten, dass alle Sünden durch einfaches Glauben an die Kraft von Jesus´ Opfer vergeben sind, dann sehe ich eine solche Behandlung als vorteilhaft an.

        Ich weiß, dass es in der Praxis schwierig ist, aber theoretisch sollte Kate versuchen, sich von den scheußlichen Gedanken, die ihr im Kopf herum schweben, so wenig stören zu lassen wie möglich. Wie wenn jemand in ihrem Hörbereich schimpft, ist es zwar unangenehm, aber sie ist nicht dafür verantwortlich. Jene Gedanken gehören nicht ihr, sondern dem Teufel. Sie kann die Gedanken einfach ignorieren und dem Teufel die Schuld dafür zuschreiben. Keiner kann den Teufel und seine Schar davon abhalten, böse zu sein, also lassen wir sie ihren üblen Weg gehen und wenden uns der Verherrlichung unseres Herrn zu.

        ~ ~

        Wenn Sie auf ähnliche Weise wie Kate leiden, rate ich Ihnen, zurückzuschlagen, und zwar auf die Art, die dem Feind am meisten Weh tut: Wann auch immer Sie einen lästernden Gedanken über Jesus bekommen, wandeln Sie ihn in eine Gelegenheit um, Jesus zu loben und ihm zu danken, dass er der heilige Sohn Gottes ist; rein und tadellos. Loben Sie Jesus ohne Unterbrechung, bis der lästernde Gedanke endlich weggeht. Freuen Sie sich jedes Mal, wenn ein solcher Gedanke zurückkehrt, über die Reinheit, Makellosigkeit und göttliche Kraft ihres Herrn. Bezeugen Sie die Güte ihres Herrn durch ein lobpreisgefülltes Gebet! Dann wird - ungeachtet was für gottentehrende Gedanken Ihnen plötzlich durch den Kopf schießen - jede Lüge in eine Gelegenheit umgewandelt, Jesus zu glorifizieren und Ihren Glauben an seine Gerechtigkeit zu kräftigen. Letztendlich verherrlichen Sie Gott nicht dann am meisten, wenn Sie zwanghafte Rituale befolgen, sondern durch einfaches Ruhen und Erfreuen in der Tatsache, dass Ihnen durch Jesus vergeben wurde, egal welche ungewollten Gedanken Sie plagen.

        Kehren wir wieder zum Gleichnis zurück, eine Schlange auf dem Bett zu finden. Falls sich die Schlange nur als ein Kinderspielzeug entpuppt, würde es einem viel einfacher fallen, von den wiederkehrenden Erinnerungen daran los zu kommen. Je größer die Erschütterung, desto schwieriger ist es, sich geistig davon zu befreien. Kates extreme Sorge darüber, die unverzeihliche Sünde zu begehen, hat sie nur weiter traumatisiert und so ihre unerwünschten Gedanken fortgesetzt. Ihre Angst war nur ein anderer Trick des Teufels. Sie hat nicht die unverzeihliche Sünde begangen. Obwohl die ungewollten Gedanken ihren Sinn betrübten, hat sie niemals ehrlich geglaubt, dass Jesus dem Teufel gehört. Und sogar wenn jemand dies in der Vergangenheit tatsächlich geglaubt hätte, so hätte es nichts zu bedeuten, wenn jene Person nicht weiterhin daran glaubt. Denn solange eine Person glaubt, dass Jesus vom Teufel ist, kann die Sünde jener Person nicht vergeben werden, weil die Person nicht im Namen von jemandem um Gottes Vergebung beten würde, von dem sie glaubt, er wäre vom Teufel. Wenn diese Person aber ihre Haltung Jesus gegenüber verändert, wird Gottes Verzeihung für sie wieder verfügbar.

        Jesus begegneten entsetzliche Versuchungen - sogar niederzuknien, und Satan anzubeten. Darum lasst uns nicht uns selbst verachten, wenn auch wir entsetzlichen Versuchungen begegnen. Diese zeigen uns eindeutig, wie verkehrt unser Feind ist; sie deuten aber nicht an, dass wir selbst ungöttlich sind. Wir brauchen die Gedanken, die zu uns kommen, weder zu unseren eigenen zu machen, noch uns davon stören zu lassen. Wir können sie kurzerhand als glatte Lügen ablehnen, und weiterhin enge Gemeinschaft mit unserem lieben Herrn genießen.

        Es gibt ärztliche Faktoren, welche die gewaltigen Schuldgefühle und gotteslästernden geistigen Bilder beziehungsweise Gedanken auf unerwartete Weise beeinflussen. Die nächste Seite bietet einen Überblick darüber. Danach werden wir ein weites Feld von Zeugnissen erkunden.

        Scrupulosity: Overwhelmed by spiritual fears or unwanted blasphemous thoughts


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